Was sagen die aktuellen Zahlen?

Der DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, basierend auf einer Befragung von 22.000 Unternehmen, zeichnet ein klares Bild: 36 Prozent der Betriebe können offene Stellen nicht besetzen – obwohl die Gesamtzahl der unbesetzten Stellen konjunkturbedingt leicht gesunken ist. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die rechnerisch nicht besetzbaren Stellen auf 369.516 für das Jahr 2025 in Deutschland allein.

In Österreich sind 64 Berufe offiziell als Mangelberuf eingestuft – so viele wie nie zuvor. Und 83 Prozent der befragten Unternehmen erwarten auch in den kommenden Jahren negative Auswirkungen durch den Arbeits- und Fachkräftemangel. Laut EY Mittelstandsbarometer 2026 verliert bereits jeder dritte Betrieb in Österreich aktiv Umsatz durch unbesetzte Stellen.

Welche Branchen sind am stärksten betroffen?

Gesundheit & Pflege: Die Altenpflege verzeichnet mit durchschnittlich 286 Tagen die längste Vakanzzeit aller Branchen im DACH-Raum. Deutschland fehlen aktuell über 200.000 Pflegefachkräfte – bis 2035 prognostiziert die Bertelsmann Stiftung eine Lücke von 300.000 bis 500.000 Fachkräften.

Bau & Handwerk: Im Baugewerbe warten Arbeitgeber durchschnittlich 273 Tage auf eine passende Besetzung. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks beziffert rund 250.000 offene Stellen, bei gleichzeitig 125.000 anstehenden Betriebsnachfolgen in den nächsten fünf Jahren.

IT & Technologie: In Österreich fehlen laut IWI rund 28.000 IT-Fachkräfte, was zu einem Wertschöpfungsverlust von bis zu 4,9 Milliarden Euro pro Jahr führt. In der Schweiz ist der Mangel strukturell: Stellen und Kandidaten finden nicht zueinander.

Ingenieurwesen & Produktion: Elektrotechniker, Mechatroniker und Maschinenbauingenieure gehören zu den meistgesuchten Profilen – mit Stellenandrangziffern unter 1,0. Das bedeutet: Es gibt mehr offene Stellen als verfügbare Kandidaten.

Warum bleibt der Fachkräftemangel strukturell?

Der Fachkräftemangel ist kein konjunkturelles Phänomen – er ist strukturell verankert. Die Ursachen liegen auf drei Ebenen:

Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer scheiden zwischen 2025 und 2036 aus dem Erwerbsleben aus. Laut Statistischem Bundesamt werden bis 2039 insgesamt 13,4 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter erreichen – eine Lücke, die durch Nachwuchs und Zuwanderung allein nicht zu schließen ist.

Qualifikationsmismatch: Unternehmen suchen zunehmend spezialisierte Profile, während der Ausbildungsmarkt nicht schnell genug reagiert. 68 Prozent der Erwerbslosen haben laut Mikrozensus 2025 mindestens ein mittleres Qualifikationsniveau – doch die Qualifikationen passen oft nicht zu den gesuchten Profilen.

Passivität der Kandidaten: Immer weniger qualifizierte Fachkräfte sind aktiv auf Jobsuche. Klassische Stellenanzeigen erreichen diesen Pool kaum noch. Wer als Arbeitgeber wartet, wartet zunehmend vergeblich.

Was können Unternehmen jetzt tun?

Angesichts dieser Ausgangslage brauchen Unternehmen im DACH-Raum eine andere Herangehensweise als bisher.

1. Active Sourcing statt reaktives Warten Stellenanzeigen erreichen nur aktiv suchende Kandidaten – das sind heute weniger als 30 Prozent der qualifizierten Fachkräfte. Active Sourcing bedeutet, Kandidaten direkt und proaktiv anzusprechen: auf LinkedIn, Xing, in Fachforen und über persönliche Netzwerke. Das ist aufwändiger, aber deutlich effektiver – besonders bei Engpassberufen.

2. Time-to-Hire als KPI ernst nehmen Jede Woche, die eine Stelle länger unbesetzt bleibt, kostet Geld und Produktivität. Eine unbesetzte IT-Stelle kostet laut Stepstone rund 496 Euro pro Tag. Wer den Recruiting-Prozess nicht aktiv verkürzt, verliert top Kandidaten an schnellere Wettbewerber.

3. Externe Recruiting-Partner mit Garantie einsetzen Interne HR-Abteilungen stoßen bei Mangelberufen regelmäßig an ihre Grenzen – nicht aus Unfähigkeit, sondern weil die nötigen Netzwerke und Active-Sourcing-Kapazitäten fehlen. Externe Partner mit Fixpreismodell und Ergebnisgarantie bieten eine risikoarme Alternative zur reinen Eigenleistung.

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